|
Biografi
Keramische Arbeit
Zeitweise ist das Drehen immer noch das Wichtigste für mich, aber heutzutage wähle ich die Technik, die einen bestimmten Ausdruck hervorruft. Meine Arbeit ist eine lange Erkundung in der ich immer wieder zu den selben Themen zurückkehre, weil sie mich immer wieder neu herausfordern. Oft scheint es so, als ob auf Aufeinanderprallen der einen Seite freiem und spontanem Ausdruck und konkreten und geometrischen Formen auf der anderen Seite balanciere.
Für manche ist die Wahl schon getroffen, aber für mich eine konstante Quelle der Inspiration und Abwägung. Nach der Arbeit mit abgemessenen und kontrollierten Bewegungen in präzisen und genauen Formen überlasse ich dem wilden und machtvollen Feuer beim Raku-Brennen die endgültige Gestaltung, um am Ende unvoreingenommen das Endergebnis zu betrachten und so neue Betrachtungsweisen zu erlernen.
Der Weg von den handwerklichen Traditionen zu den individuellen Ausdrücken ist lang
Als kleines Mädchen besuchte ich die Katholische Schule in Naestved. Sie lag oben auf dem Kähler Hügel und wenn man die Nase an die Fensterscheibe am Ende des langen dunklen Korridors presste, konnte man die Schafe auf den grünen Hang hinter der Kähler Keramikfabrik sehen. Ich erinnere mich, wie ich bei einer Exkursion in Augenhöhe vor einer Töpferscheibe stand, an der ein erfahrener Arbeiter zugange war. Ich wurde buchstäblich in die Rotation des Tons hineingezogen. Später kamen wir zum Malereizimmer und sahen wie die Frauen die Kuhhörner mit den Farbengoben führten. Es war ein faszinierendes Erlebnis.
Herman A. Kählers værksted
Pastel von P.S. Krøyer 1905
Billedet findet sich an Kählermuseet i Næstved.
|
|
Krøyers motiv, som stammer fra Kählers keramiske Fabrik, hvor min farfar, Emil Sauer stod i lære. Herman A.Kähler ses forrest i billedet, i færd med at dreje en stor potte, hans søn Herman står ved siden af til højre. Min farfar ses yderst til venstre i billedet.
Mein Großvater gab die Lehre ein Jahr vor dem Abschluss auf, weil es keine Zukunftsaussichten für den Beruf gab. Mit 80 wettete er mit Niels Kähler, dass er immer noch töpfern konnte - er gewann.
Später wurde die Fabrik ein fester Bestandteil der Kindheit meines Vaters, weil die Familie direkt nebenan wohnte.
Seine Arbeiten wurden in der Fabrik gebrannt und er sah wie Jens Thirslund seine Glanzglasuren verzierte. Es war für meinen 14 Jahre alten Vater wie Alchemie, und er wollte unbedingt Töpfer werden. Aber in dem Berufszweig gab es immer noch keine Zukunftsaussichten; also wurde er stattdessen, Malerlehrling bei seinem Vater und später an der Kunstakademie von Kopenhagen ausgebildet.
Die Sachen von Kähler waren überall in unserem täglichen Leben. Müslischalen auf den Küchentisch, Heringsdosen mit Sterngriff, gekachelte Tische in den Wohnräumen bei jedem im Ort. Aschenbecher, Schirmhalter, Obstschalen, Teekannen, Vasen, Schalen - überall war Keramik der höchsten Qualität, aber ich dachte nie darüber nach.
Auf der Musikhochschule Vestbirk dachte ich, dass meine Zukunft in der Musik läge, und so nahm ich nur zum Spaß, an der Keramikschule an einem Workshop teilnahm. Als ich dann meinem Vater mitteilte, dass ich Töpferin werden wollte, erfuhr ich zum ersten Mal, dass mein Großvater ein Töpferlehrling gewesen war.
P.S. Kröyers Malerei vermittelt ein genaues Bild, wie die Keramikherstellung von einem gemeinsamen Leben und einem gemeinsamen Rhythmus in der Werkstatt geprägt ist. Das Ziel war absolut nicht, dass der einzelne Lehrling oder Geselle seine eigene persönliche Note auf den Ton bringen sollte. Deshalb betrachtete man sich selbst nur als Handwerker so wie auch ich, als ich 1976 meinen Abschluss bekam
Die Lehrzeit
Nach 1 ½ Jahren an der Soenderborg Haandvaerkerskole folgten 2 ½ Jahre Praktikum in einer Töpferei
Wie für alle andere Handwerker auch fing der Tag um 7 Uhr an und endete, wenn ich etwa 130 Buttergefäße auf der Töpferscheibe gedreht hatte genau wie die, die ich gestern gedreht hatte, wie die von vorgestern und in der vorigen Woche. Alles, um die Routine zu erreichen die mir erlaubte, den Ton mit perfekter Genauigkeit und Schnelligkeit zu bearbeiten, um damit vor allen Dingen das tägliche Brot auf dem Tisch zu sichern.
Zu lernen, sich selbst zu überwinden und einem täglichen Rhythmus zu folgen, hat nicht viel mit Kreativität zu tun, dafür um so mehr mit Disziplin, Anpassung sowie Ausdauer und Willenskraft. Natürlich war es dann eine Freude und ein Erfolg, den Gesellenbrief in der Hand zu halten
Nichtsdestotrotz zeigte sich schnell, dass ich eine Ausbildung gemacht hatte, die nicht mit den Anforderungen dieser Zeit übereinstimmte. Die Einfuhr von billiger Keramik aus dem Ausland war schon in vollem Gange, und eine Keramikfabrik nach der anderen musste schließen. Der einzige Weg, als Keramikhersteller zu überleben, war den eigenen persönlichen Ausdruck zu finden.
Es gelang mir jedoch, Arbeit zu finden, und als ich nach einem Jahr als erster Geselle bei Tromborg Keramik zur Arhus Kunstakademie kam, hatte ich die handwerklichen Traditionen gelernt.
Als erstes befestigt ich meine Drehmaße an meiner Töpferscheibe zu. So konnte ich sicher sein, dass alle meine Arbeiten gleich waren. Ich wurde ausgelacht!
Dadurch verstand ich aber die Formulierung des japanischen Keramikers Hamada in der er beschreibt, wie enorm die Herausforderung ist, den eigenen künstlerischen Ausdruck zu finden: "Es dauert 10 Jahre ein guter Dreher zu werden und 20 Jahre es wieder zu vergessen."
Nach und nach ist der Keramikerberuf und das Töpfern von guten und soliden dänischen Kunsthandwerkern ersetzt worden und heutzutage tauschen Keramik-Künstler Ideen, Materialien und Erfahrungen über Grenzen und Kontinente hinaus aus. Es geht vor allem darum, seinen eigenen Weg in dem Überfluss von angebotenen Möglichkeiten zu finden, während wir unseren eigenen künstlerischen Weg erkunden. So werden die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk verwischt.
|
|
Horndekoration, Karin Sauer 1984
|
|